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Karin Rauner - Kein Vaterland in mir

Als eine Expedition im Himalaya auf über 6.000 Metern im Wettersturz stecken bleibt, ist die Erzählerin zum Warten gezwungen und zur Konfrontation mit ihrer Vergangenheit.
 
Sie wächst bei einem Vater auf, der nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Kollaboration verurteilt wurde und seine Ideologie in der Familie mit Gewalt durchsetzt. Früh beginnt sie, sich gegen dieses System zu wehren.

Die Extremerfahrung im Hochgebirge und das Bergsteigen wird zum Resonanzraum einer inneren Auseinandersetzung, in der sich Vergangenheit und Gegenwart unauflöslich verschränken.
 

  • Memoir

  • Vergangenheitsverlag

  • Taschenbuch

  • 188 Seiten

  • ISBN 978 3 86408 378 5

  • 18€

„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“ 

Jorge Bucay

Warum habe ich dieses Buch geschrieben?

Nach fast einem ganzen Leben wage ich mich an die Geschichte meiner Kindheit und Jugend. Oft habe ich meinem Mann oder Freunden Episoden aus dieser Zeit erzählt – kurze Szenen, die wie durch ein Blitzlicht für die Dauer eines Lidschlags erhellt wurden, um dann wieder in der Dunkelkammer meiner Seele zu verschwinden. Diese Geschichte wollte ich schon immer erzählen. Erst als ich älter wurde, fand ich die Zeit, mich ganz in das Schreiben zu vertiefen.

Durch dieses Buch habe ich ein Gesamtbild meines Lebens entworfen. Mit der Distanz von Jahrzehnten erkenne ich meine Prägungen, meine Sozialisation und meine Persönlichkeitsentwicklung. Ich kann sie heute analysieren und daraus lernen. Es war ein schmerzhafter Prozess, diese Zeit beim Schreiben wieder in mir lebendig werden zu lassen.

Es ist eine zutiefst persönliche Geschichte, die ich jetzt mit meinen Leserinnen und Lesern teile. Ich glaube nicht, dass ich das einzige Kind im Nachkriegsdeutschland war, das ein solches Trauma durchstehen musste – und häusliche Gewalt ist leider bis heute ein brennend aktuelles Thema. Nach wie vor gilt: „Die Familie ist der gefährlichste Ort.“

Um Klarheit über die Vergangenheit meines Vaters zu gewinnen, habe ich französische Archive angeschrieben und bin fündig geworden. Im Archive d'Alsace konnte ich zahlreiche Dossiers über ihn einsehen. Es war erschütternd, doch gleichzeitig ein wichtiger Schritt für mich.

Mein Vater konnte mich durch seine Gewalt nicht brechen. Im Gegenteil: Er hat die Kämpferin in mir geweckt, die mich mein ganzes Leben lang begleitet. Nie aufzugeben und die Zähne zusammenzubeißen, habe ich von Kindheit an gelernt.

Genau das möchte ich mit meiner Geschichte vermitteln: Als Opfer muss man nicht zerbrechen. Den Kampf gegen die Resignation darf man niemals aufgeben. Es gibt immer Menschen und Wege, die uns dabei helfen, uns selbst zu ermächtigen.

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